Selbstbestimmung: Was sie heute für mich bedeutet

Selbstbestimmung bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Für mich beginnt sie dort, wo Entscheidungen nicht mehr nur vernünftig wirken, sondern sich auch wirklich nach dem eigenen Leben anfühlen.

Bereits in meiner Jugend dachte ich:

Wenn ich dann erwachsen bin, sagt mir niemand mehr, was ich wie zu tun habe. Ich habe mir aber nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, was das eigentlich bedeutet. Es ging vielmehr darum, nicht mehr bevormundet zu werden.

Aus dieser Überzeugung heraus habe ich mir auch nie ernsthaft die Frage gestellt, ob mein Leben wirklich zu mir passt.

Ich habe Verantwortung übernommen – für mich selbst und für andere – funktioniert, Erwartungen erfüllt, vernünftige Entscheidungen getroffen und versucht, möglichst auf der sicheren Seite zu bleiben.

Ganz ehrlich? Ich habe mir einfach nicht die Zeit genommen,
um zu hinterfragen, was ein erfülltes Leben für mich eigentlich bedeutet.

Eines ist jedoch klar: Mit einem selbstbestimmten Leben hatte das wenig zu tun.

Zwischen Funktionieren und Leben

Und dann ist da dieses leise Rauschen im Hintergrund. Nicht laut genug, um sich bewusst damit auseinanderzusetzen. Doch hartnäckig genug, um es nicht einfach ignorieren zu können.

Wir treffen tagtäglich Entscheidungen. Meine waren selten impulsiv, vielmehr von der Sorte „Ich habe mich mit meinem Kopf beraten. Und zwar solange, bis meine Intuition keine Chance mehr gegen die vernünftigen Argumente hatte und aufgegeben hat.„

Wir wählen viel zu oft den Weg, der sicher erscheint oder der von uns erwartet wird – weil man das eben so macht. Es fällt uns oft schwer, auch nur einen kleinen Schritt vom alten, bekannten Weg abzuweichen. Wie oft habe ich gehört: “Das ist historisch gewachsen!” Ja, das ist Unkraut auch und dennoch hat kaum jemand Freude daran.

Und trotzdem – oder gerade deshalb – schwingt eine leise Frage sehr oft mit:
War das schon alles? Gehört das zu einem Leben, das mich erfüllt?

Heute setze ich mich mit den Themen, die mich beschäftigen, bewusster auseinander und Selbstbestimmung ist für mich nicht einfach nur ein Trendwort. Für mich ist es ein Lebensstil, eine Haltung und Achtsamkeit mir und meinen Werten gegenüber.

Das schließt ein, dass ich selbst entscheide, wann, wo, wie und mit wem ich arbeiten möchte. Nicht im Sinne von Work-Life-Balance, wie sie uns heute überall begegnet. Ich arbeite gerne und bin der Meinung, wenn ich mache, was ich liebe und was mich erfüllt – ist es dann Arbeit?

Ich möchte mit inspirierenden Menschen mit ähnlichen Werten zusammenarbeiten und neue Ideen und Projekte entwickeln.

Ein selbstbestimmtes Leben bedeutet für mich auch, dass ich meinen Lebensmittelpunkt unabhängig vom Standort meines Jobs wählen kann. Ob das nun ein fixer Standort ist oder ich durch die Welt reisen möchte.

Ich möchte Beziehungen, in denen wir uns auf Augenhöhe begegnen und der Austausch beide bereichert, ein Umfeld, das mir Energie schenkt, anstatt sie mir zu rauben.

Klingt erstmal nach einer schönen Wunschliste, die ich am besten verinnerliche und ans Universum weiterleite.

Doch was, wenn es mehr als nur das ist?
Was, wenn wir selbst die Freiheit haben, jeden Tag bewusste Entscheidungen zu treffen, die uns dem Leben, das wirklich zu uns passt, ist ein Stück näher bringen?

Selbstbestimmung bedeutet mehr als Freiheit

Selbstbestimmung wird oft mit Freiheit im Sinne von “tun, worauf ich gerade Lust habe” – gleichgesetzt. Das klingt für mich etwas egoistisch und nach “Ach, ich lebe mal einfach so in den Tag und warte was passiert.” Ist im Urlaub bestimmt auch mal ganz nett.

Für mich bedeutet ein selbstbestimmtes Leben, Verantwortung zu übernehmen. Disziplin und die Bereitschaft, zu reflektieren. Entscheidungen zu treffen und mit deren Konsequenzen leben zu können. Lösungen zu finden, wenn sie sich am nächsten Tag nicht mehr richtig anfühlen oder neue Hindernisse auftauchen. Selbstbestimmt zu leben bedeutet auch: Niemand kann uns Entscheidungen abnehmen.

Vielleicht ist das der Preis für Freiheit. Und gleichzeitig ihr größtes Geschenk.

Wie ich Entscheidungen heute treffe

Früher habe ich bei Entscheidungen vor allem meinem Kopf vertraut: “Was wäre vernünftig?”
Heute frage ich mich immer öfter: “Was löst diese Entscheidung in mir aus? Wie fühle ich mich dabei?” Je mehr ich lerne, meinem Gefühl zu vertrauen, desto leiser werden die Rechtfertigungen in meinem Kopf.

Manche Antworten spüre ich sehr deutlich. Tränen in den Augen. Gänsehaut. Dieses berauschende Gefühl von Lebendigkeit, wenn die Begeisterung mich packt. Daran erkenne ich heute, dass eine Entscheidung wirklich zu mir und meinen Werten passt. Nicht einfach bloß vernünftig ist oder etwas, das andere von mir erwarten.

Ich laufe deswegen nicht mit einer rosa Brille durch die Gegend und treffe Entscheidungen einfach nur aus dem Bauch heraus. Doch meine Intuition, mein Bauchgefühl dürfen endlich wieder ein wesentlicher Teil meiner Entscheidungsfindung sein.

Vielleicht beginnt Selbstbestimmung genau hier

Vielleicht liest du das gerade und denkst:

Schön für sie, aber ich kann doch nicht einfach alles ändern, in der Hoffnung, dass das Universum mir gerade gewogen ist.

Es geht nicht darum, morgen alles umzuwerfen. Es geht darum, dir überhaupt die Frage zu erlauben, ob das, was du gerade lebst, wirklich ist, was zu dir passt, was du dir wünschst, was dich strahlen lässt.
Oder ob du ein Leben führst, das schrittweise aus Erwartungen, Gewohnheiten und vermeintlich vernünftigen Entscheidungen entstanden ist.

Ich möchte dir gerne zwei Fragen mit auf den Weg geben:

Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte,
wenn du einmal nicht die vernünftigste Entscheidung triffst?
Sondern die, die deine Augen zum Leuchten und dein Herz zum Rasen bringt.

Und was könnte im besten Fall entstehen?

Vielleicht lohnt es sich, dieser Frage für ein paar Minuten nachzugehen.

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