Leben mit Post Covid: Warum Akzeptanz kein Moment, sondern ein Prozess ist
Viele Menschen mit Post Covid erleben, dass sich der Alltag grundlegend verändert. Dieser Beitrag beschreibt, warum Akzeptanz dabei oft kein einzelner Moment ist, sondern ein langer und oft widersprüchlicher Prozess.
Akzeptanz klingt oft nach einem inneren Umschalten. Nach einem Punkt,
an dem man etwas annimmt – und dann weitermacht.
So war es bei mir nicht. Akzeptanz kam nicht plötzlich. Sie kam langsam.
Und oft erst dann, wenn mir nichts anderes mehr übrig blieb.
Der Wunsch nach dem alten Leben
Lange Zeit wollte ich vor allem eines:
Mein früheres Leben zurück. Gesund und belastbar sein.
Mich frei bewegen zu können, ohne nachzudenken. Ich wollte wieder in die Natur gehen. Fotografieren. Mich bewegen, Sport machen – mich spüren.
All das, was mir früher gutgetan hatte, war plötzlich nicht mehr möglich –
oder machte alles schlimmer.
Das zu begreifen war frustrierend. Und es widersprach allem, was ich über Regeneration gelernt hatte.
Wenn Bewegung und Aktivität den Körper überfordern
Bewegung half nicht mehr – sie erschöpfte. Natur beruhigte mich nicht mehr –
sie überforderte. Fotografieren, etwas, das mir immer Kraft gegeben hatte,
kostete plötzlich Energie, die ich nicht hatte.
Es gab Tage, da musste ich entscheiden:
- gehe ich einkaufen
- koche ich mir etwas
- oder gehe ich duschen
Für alles zusammen reichte die Energie nicht.
Das sind eigentlich keine großen Entscheidungen.
Doch sie werden existenziell, wenn Energie plötzlich begrenzt ist.
Wenn Erholung nicht mehr regeneriert
Ich schlief oft mehr als dreizehn Stunden und wachte trotzdem erschöpft auf.
Nicht erholt, klar oder stabil.
Zehn Minuten Bildschirm reichten aus für:
- Augenschmerzen
- Kopfschmerzen
- Brain Zaps
Fernsehen oder lesen war nicht möglich.
Geräusche, Licht und Gerüche waren zu viel.
Und irgendwann stellt sich die Frage:
Was macht man eigentlich den ganzen Tag, wenn selbst das Nichtstun belastet?
Warum Überlastung nicht mit dem Crash endet
Was viele nicht sehen:
Überlastung endet nicht mit dem Crash.
Schon geringe Reizüberforderung führte bei mir zu Einschlafproblemen.
Ich war todmüde – dennoch lag ich stundenlang wach.
Der Körper erschöpft. Das Nervensystem überaktiv.
Diese Kombination zermürbt.
Nicht nur körperlich, sondern ebenso – und vor allem – mental.
Warum Akzeptanz so schwer wird, wenn der Körper andere Regeln hat
Akzeptanz bedeutete in dieser Phase nicht, dass es leichter wurde.
Für mich bedeutete sie anzuerkennen, dass mein Körper andere Regeln hat als früher.
Dass ich nicht einfach „durchhalten“ kann.
Dass Disziplin nichts bringt, wenn das System überlastet ist.
Und dass ich Energie verliere, wenn ich ständig gegen das ankämpfe,
was gerade meine Realität ist.
Was Akzeptanz wirklich verändert hat
Akzeptanz hat meinen Zustand nicht grundlegend verbessert.
Sie hat nichts plötzlich geheilt. Und sie hat keine Symptome verschwinden lassen.
Aber sie hat eines verändert:
Ich habe aufgehört, meine ohnehin knappe Energie dafür zu verwenden,
gegen mich selbst zu kämpfen.
Kein innerer Widerstand mehr gegen jede Grenze. Nicht mehr ständig hadern.
Mich nicht täglich selbst infrage stellen.
Das war kein großer Schritt, doch für mich ein entscheidender.
Denn manchmal ist Akzeptanz nicht der Weg zu mehr –
sondern der Punkt, an dem man aufhört, sich weiter zu verlieren.
Wenn du die Zusammenhänge besser verstehen möchtest:
